Montag, 26. Oktober 2009

Flesh & Poetry

... oder: A Myriad Me's



Mein Liebling,
mein Liebling, wir haben Jahre gebraucht um uns aus dem Pfuhl
der Verwüstung, den wir, jeder für sich, als wir uns noch nicht begegnet,
schufen, um uns zu erschaffen, darin wir einst dionysischen Gelüsten
folgten, hurten und tranken, dem Licht durch das Ergeben
in den versoffenen Schlaf wehrten oder dem Morgengrauen mit einem Fick
entgegneten, darin wir, jeder für sich, seinem Nächsten eine Gugel
aufsetzten, ihm zutranken, und ihn wie einen Affen tanzen machten,
während man tändelnd an seinen Eselsohren zupfend einer Läusesucherin
mit einem sardonischen Lächeln über leuchtenden Augen bedeutete
mit ihm zu poussieren, indes man seiner Liebsten einen Kuss aufdrückte,
dann noch einen, bis sie, konsterniert und raunzig, sich einen andren
nahm, und wir, jeder für sich, mit einer neuen Flasche, heiter dieser Spiele,
im eignen, oder hitzig mit Dreien in eines andren Bette schliefen,
einmal mit einem, ein andres mal mit Zweien an seiner Hand, und mit der andren
an der Flasche, darin wir, jeder für sich, den Irrsinn des Homunculus durch
Selbstkreuzigung zu erlöschen suchten, rein bei dieser Tat,
um uns wieder zu erheben, um Stein für Stein vorsichtig das Bollwerk zu errichten
das wir nun sind, wie wir hier sind, um zu sein, was wir sind, bevor wir waren
was wir wurden, eine leise Ahnung, Abglanz des Selbst,
jetzt Fleisch und Poesie, und jede Frage nach unserem Ich,
die Myriaden Meins, verschmolzen zu einer Einheit, mit einer Verweisung
auf unsere Kunst beantworten.


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